Zweifel.

Ich habe es bereits ein wenig angekündigt: ich möchte gerne über Zweifel sprechen. Denn davon hatte ich in der letzten Woche einige. Besonders wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, erfassen mich regelmäßig Zweifel. Nicht an der Sache selbst, oh nein. Dass es richtig und wichtig ist, das eigene Leben und Konsumverhalten nachhaltig(er) und bewusst(er) zu gestalten, ist etwas, von dem ich so fest überzeugt bin, dass ich mir sicher bin, diesen Weg bis ans Ende meines Lebens gehen zu wollen. Was mich manchmal zweifeln lässt, bin ich selbst.
War es denn wirklich notwendig, neues Make-Up zu kaufen? Wieso habe ich jetzt schon wieder ein Brötchen samt Tüte beim Bäcker gekauft, statt mir von zuhause etwas mitzunehmen? Musste das sein?
Die Antwort lautet nein. Und ja.

Wie einige von Euch vielleicht wissen, lebe ich vegan, habe meinen Müll- oder zumindest Plastikverbrauch stark reduziert und versuche, mit meinem Konsum sehr bewusst umzugehen. Aber manchmal reicht mir das noch nicht. Während ich in dreieinhalb Jahren veganer Ernährung nicht einmal der Versuchung erlegen bin, aus Bequemlichkeit, Appetit oder anderen Gründen Fleisch oder andere Tierprodukte zu essen, kommt es immer mal wieder vor, dass ich etwas kaufe, was in Plastik verpackt ist. Ich versuche, möglichst bei jedem Einkauf darauf zu verzichten, aber es klappt eben leider nicht immer. Hat das etwas mit fehlender Willenskraft zu tun? Müsste ich mich nicht eigentlich viel mehr anstrengen? Noch konsequenter sein? Bei der Ernährung funktioniert es doch auch. Warum dann nicht hier?

Zur allgemeinen und auch meiner eigenen Enttäuschung muss ich gestehen: ich habe keine endgültige Antwort auf diese Fragen. An manchen Tagen brüllt mir meine innere Stimme sie so laut ins Ohr, dass ich zugeben muss – so eine gewissenhafte Weltverbesserin, für die ich mich immer gerne halten möchte, bin ich gar nicht. Es gibt aber auch Tage, an denen gelingt es mir, über Fehltritte hinwegzuschauen. Dann habe ich eben eine Tafel Schokolade gekauft, die in Alufolie eingewickelt ist. Beim nächsten Besuch im Unverpackt-Laden werde ich mein Schoko-Glas wieder auffüllen und plastikfrei genießen.
Es gibt ein sehr beliebtes Zitat, das mir seit geraumer Zeit immer mal wieder auf den Sozialen Medien begegnet: „Wir brauchen nicht 10 Leute, die es perfekt machen; wir brauchen 1000 Leute, die ein wenig machen.“ (So oder so ähnlich lautet es; ich habe es natürlich jetzt, da ich es brauche, nicht gefunden!) So glaube ich, dass ich, solange ich nicht als völlig autonomer Selbstversorger leben kann, weiterhin gelegentlich in Plastik verpackte Dinge kaufen muss und werde. Das lässt sich in meiner momentanen Situation eben nicht vermeiden.
Da man alle Zitate aus dem Internet jedoch mit einer gewissen Vorsicht genießen sollte, möchte ich auch hier eine kleine Einschränkung vornehmen. Denn obwohl man nu‘ nicht gleich für jede Plastiksünde die Geißel rausholen muss, sollte man sich ebenso wenig hinter dem trügerischen Sätzchen: „Man hat ja auch in dieser Gesellschaft keine andere Wahl“ verstecken. Doch, die hat man. Immer. Darum werde ich mich in Zukunft etwas weniger streng schelten, aber für’s nächste Mal um eine nachhaltigere Alternative bemühen.

Rebecca

P.S. Ich habe bereits einen Artikel vorbereitet, in dem ich einige Tipps für ein nachhaltigeres Leben für Anfänger und Fortgeschrittene zusammengetragen habe. Den gibt’s bald auch hier auf dem Blog zu lesen!

2 Kommentare zu „Zweifel.

  1. Du bist ein Mensch und nicht perfekt. Das ist völlig in Ordnung!
    Kleine Schwächen hier und da sind absolut vertretbar, immerhin scheinst du im Großen ja sehr auf Nachhaltigkeit zu achten. Da brauchst du nicht so streng mit dir selbst zu sein 🙂

    Liken

    1. Liebe Maria,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Du hast völlig recht mit dem, was du sagst. Schwächen und schlechtere Tage hat man immer und an den allermeisten Tagen bin ich mir dessen auch bewusst. Leider habe ich schon super häufig mitbekommen, dass Leute bei solchen Themen zu einer „ganz-oder-gar-nicht“-Mentalität tendieren, darum wollte ich gerne auch einmal darauf aufmerksam machen, dass es okay ist, an sich zu zweifeln und nicht alles 100% „richtig“ zu machen und dass dabei aber natürlich auch die Gefahr besteht, sich darauf auszuruhen. ☺

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